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TenrikyĆ
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TenrikyĆ (japanisch ć€©çæ â wörtliche Ăbersetzung: die Lehre des himmlischen Prinzips) ist eine monotheistische neureligiöse Bewegung, die aus dem japanischen ShintĆismus hervorgegangen ist. Miki Nakayama, die Mitte des 19. Jahrhunderts eine Erleuchtung erlebt haben soll, ist die Stifterin des Glaubens. Der âElterliche Gottâ (èŠȘç„, oyagami) wird auch Tenri-Ć-no-mikoto (怩ççćœ, âHerr der göttlichen Weisheitâ) genannt. TenrikyĆ hat inzwischen ĂŒber 4 Millionen AnhĂ€nger weltweit; davon 1,5 Mio. im Ursprungsland Japan.
Contents
âą Geschichte
âą Gottesdienste
âą Pflegekinder
âą Literatur
âą Einzelnachweise
âą Weblinks
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Geschichte
Miki Nakayama wurde 1797 als Tochter wohlhabender Landbesitzer im Dorf Sanmaiden (heute Tenri, PrĂ€fektur Nara) geboren. Sie besuchte eine Tempelschule des Amitabha-Buddhismus (Reines-Land-Buddhismus). Mit 13 Jahren planten ihre Eltern, sie mit ihrem Vetter Zenbei Nakayama zu verheiraten, der Sohn und Erbe eines wohlhabenden Landbesitzers war. Sie protestierte dagegen, weil sie den Wunsch hegte, eine buddhistische Nonne zu werden. SchlieĂlich willigte sie in die Heirat ein, nachdem man ihr zugestand, sich nach erledigter Hausarbeit tĂ€glich ihren religiösen Bestrebungen zu widmen. Sie bewĂ€hrte sich als Ehefrau und Mutter zahlreicher eigener Kinder und auch als SĂ€ugamme fĂŒr benachbarte Familien. Bei einer Gelegenheit, als ein ihr anvertrautes Baby bedrohlich erkrankte, bot sie im Gebet ein eigenes Kind als Opfer fĂŒr die Heilung des erkrankten Kindes an. Das Kind wurde geheilt und der spĂ€tere Tod zweier eigener Töchter wurde von ihr als Bezahlung fĂŒr diese Heilung angesehen.cite-ref-0-1-0[1]
Am 23. Oktober 1838 erfuhr die damals 40-jĂ€hrige Miki eine Offenbarung im Rahmen eines Heilungsrituals. Dieses aufwĂ€ndige Ritual war ĂŒber den Zeitraum eines Jahres mehrfach in ihrer Familie vollzogen worden, um die Heilung ihres Sohnes ShĆ«ji von einem schweren Beinleiden zu bewirken. Die Frau, die zuvor bei diesem Ritual als Medium gedient hatte, war nicht verfĂŒgbar und Miki ĂŒbernahm ihre Aufgabe. Dabei wurde sie von einem starken Geist besessen, der drei Tage durch sie sprach.cite-ref-1-2-0[2] Er verlieĂ sie erst, nachdem Miki und ihre Familie dem Verlangen entsprachen, dass Miki kĂŒnftig Sprachrohr dieses âwahren und ursprĂŒnglichen Gottesâ sein wĂŒrde. Diesen Gott beschrieb Miki spĂ€ter in ihren Dichtungen als âelterlichen Gottâ und Schöpfer der Welt. Nach erfolgter Heilung ihres Sohnes folgte Miki den Anweisungen des Gottes und begann, das Familienvermögen wegzugeben.
Als sie nach dem Tod des Ehemannes mit ihrer Familie in Armut lebte, begann Miki weitere HeilungsfÀhigkeiten zu zeigen. Insbesondere erfuhren Frauen durch ihre Anleitung eine erleichterte Kindsgeburt, aber sie erwies sich auch talentiert bei der Behandlung von Krankheiten.
Ihre Heilungstalente wurden als ĂŒbersinnlich betrachtet und ab den frĂŒhen 1860er Jahren begannen sich Nachfolger um sie zu sammeln und sie als lebende Gottheit zu verehren. Miki war der festen Ăberzeugung, dass sie dauerhaft als Sprachrohr und Tempel des âElterlichen Gottesâ diente. Mit der Zeit entstand ein KultgebĂ€ude und sie entwickelte einen Gottesdienst, der mit GebĂ€rden, Liedern und TĂ€nzen zelebriert wird.
Bei wachsender AnhĂ€ngerzahl wurde die neue religiöse Bewegung von benachbarten Tempeln als Konkurrenz empfunden. Wiederholt wurde von diesen ein Einschreiten der Regierung gefordert, um dadurch ein weiteres Anwachsen aufzuhalten. In ihren Achtzigern wurde Miki mehrfach inhaftiert. Die Anklagen bezogen sich z. B. auf die âFörderung seltsamer Götterâ und die Manipulation der Wasserversorgung. Aufgrund von Gebeten soll es wĂ€hrend einer DĂŒrre RegenfĂ€lle ausschlieĂlich in ihrem Dorf gegeben haben.cite-ref-0-1-1[1]
1875 entdeckte Nakayama den Platz Jiba, nach dem Glauben der TenrikyĆ der Mittelpunkt der Welt, wo die Menschen einst von Gott geschaffen wurden und wohin sie in ihr eigentliches Elternhaus zurĂŒckkehren werden. Der Jiba ist gekennzeichnet durch den Kanrodai, einen heiligen hölzernen StĂ€nder mit einer Schale fĂŒr den Himmelstau darauf, dem ewiges Leben verleihenden Nektar, der dann vom Himmel fĂ€llt, wenn weltweit das Frohe Leben errichtet ist. Dort entsteht spĂ€ter die Hauptkirche der TenrikyĆ.
Am 26. Januar 1887 rief sie ihre AnhÀnger dazu auf, den Gottesdienst entgegen den Befehlen der Polizei am Jiba zu vollziehen und starb wÀhrend der Zeremonie. Im Glauben ihrer AnhÀnger hat sie nur ihren sichtbaren Leib verborgen und lebt auch weiterhin in ihrem Heiligtum, um den Menschen die Gnade Gottes zu vermitteln.
Nach ihrem Tod oblag die geistige FĂŒhrung der TenrikyĆ Nakayamas Vertrautem Izo Iburi, die rechtliche Leitung der Gemeinschaft lag in den HĂ€nden des ersten Shimbashira (âHauptstĂŒtzpfeilerâ) Shinjiro Nakayama.
Im BemĂŒhen, dem Vorbild ihrer GrĂŒnderin zu folgen, befassten sich Missionare der TenrikyĆ zunehmend mit Betroffenen der Hansen-Krankheit. Die missionarische TĂ€tigkeit und die rituelle Heilpraxis (Sazuke) waren einer der GrĂŒnde dafĂŒr, dass am 6. April 1896 das Innenministerium eine Richtlinie erlieĂ, mittels der die AktivitĂ€ten der TenrikyĆ strenger Kontrolle unterworfen wurden. Anklagepunkte waren, dass 1) MĂ€nner und Frauen gemeinsame ZusammenkĂŒnfte hĂ€tten und dies zu UnzĂŒchtigkeiten fĂŒhren könne, 2) medizinische Behandlungen behindert wĂŒrden und 3) Mitglieder zu Schenkungen gezwungen wĂŒrden.cite-ref-3[3]
TenrikyĆ wurde erstmals 1908 von der Regierung anerkannt und unter den Dachverband des Sekten-ShintĆ gefasst. Dem war ein Prozess der Anpassung an den staatlich anerkannten Shintoismus vorausgegangen. Begonnen hatte diese Anpassung 1896, als die Bewegung aufgrund ihres rasanten Wachstums einer starken staatlichen Kontrolle ausgesetzt war und ihr sogar die vollstĂ€ndige Auflösung angedroht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Anpassungen rĂŒckgĂ€ngig gemacht und heute sieht sich die Bewegung weder dem Shintoismus noch dem Buddhismus zugehörig.cite-ref-1-2-1[2]
Der Heimatort der Nakayama-Familie, das Dorf Shoyashiki, entwickelt sich zu einer Stadt, die nach einer Gemeindefusion 1954 den Namen Tenri erhÀlt.
Grundlage der Lehre
Grundlage der Lehre der TenrikyĆ bildet der Glaube an den âElterlichen Gottâ, Oyagami, auch genannt Tenri-Ć-no-mikoto (怩ççćœ â âHerr des göttlichen Prinzipsâ), Tsukihi (ææ„ â âMond-Sonneâ), âWahrer Gottâ und âUrsprĂŒnglicher Gottâ. Durch Miki Nakayama offenbarte sich der Elterliche Gott den Menschen als die eigentlichen Eltern, das heiĂt, ihren eigentlichen Ursprung und ihr eigentliches Ziel, ohne die sie heimatlos umherirren und der Erlösung bedĂŒrfen. Der Elterliche Gott schuf die Welt, um sich am harmonischen Leben der Menschen zu erfreuen. Der menschliche Körper ist eine Leihgabe Gottes, der Geist jedoch wird dem Menschen zur freien VerfĂŒgung gestellt. Durch selbstsĂŒchtiges Denken und Handeln entfernt sich der Mensch von Gott, und erst durch die Reinigung des Herzens findet er wieder zu ihm. Diese RĂŒckfĂŒhrung zu Gott erfolgt unter anderem durch hinokishin (selbstlose Taten). Der Gewinn ist das yokigurashi, das Frohe Leben, welches der Elterliche Gott fĂŒr alle Menschen vorgesehen hat.
Ein weiterer Schritt zur Erlösung ist das Vollziehen des kagura zutome, eines Tanzes, in dem von zehn TĂ€nzern der Schöpfungsakt symbolisch dargestellt wird. Dieser wird jedoch nur am Jiba um den Kanrodai herum ausgefĂŒhrt. Als heilende Kraft des Elterlichen Gottes wird das sazuke (âGabeâ) erteilt, ursprĂŒnglich durch die Stifterin, heute durch den Shimbashira. Wem es zuteilwird, der wird zum yoboku, zum âBauholzâ in der Hand Gottes, und gibt als Missionar die Wirkung des sazuke an leidende Menschen weiter. Zum Glauben der TenrikyĆ gehört auch der Gedanke an die ewige Wiedergeburt der Seele gemÀà einem innen (âKarmaâ) genannten Prinzip, allerdings hofft man nicht auf ein âVerlöschenâ wie im Buddhismus oder ein himmlisches Paradies wie z. B. im Christentum, sondern strebt ein irdisches Paradies an, in dem alle Menschen das frohe Leben erlangt haben. Die bedeutendsten kanonischen Texte der TenrikyĆ sind das Ofudesaki (âDie Spitze des Schreibpinselsâ), das Mikagurauta (âLieder fĂŒr den Heiligen Tanzâ) und das Osashizu (âGöttliche Anweisungenâ), die ersten beiden verfasst von Miki Nakayama, der letzte von Izo Iburi und anderen SchĂŒlern.
Das Mikagurauta besteht aus Liedern, die ab 1866 von Miki Nakayama verfasst wurden. Zu diesen lehrte sie Melodien, sowie begleitende Hand- und Tanzbewegegungen, die in den Gottesdiensten Kagura (Maskentanz) und Teodori (Tanz mit Handbewegungen) aufgefĂŒhrt werden.
Das Ofudesaki enthĂ€lt 17 Kapitel mit 1711 Versen, die von Miki Nakayama zwischen 1869 und 1882 verfasst wurden. Diese Verse sollen geeignet sein, die Absichten des âElterlichen Gottesâ der menschlichen Vernunft zugĂ€nglich zu machen.cite-ref-4[4]
Zwischen der Stadt Tenri und Marburg bestehen seit Jahren freundschaftliche Beziehungen, auch gefördert durch eine einmonatige Ausstellung zum Thema TenrikyĆ, die 1975 in der UniversitĂ€tsbibliothek Marburg abgehalten wurde.
TenrikyĆ-Tempel in Tenri
An dem Ort, an dem nach Auffassung der GlĂ€ubigen der Elterliche Gott die Menschen schuf, steht die Hauptkirche der TenrikyĆ. Ihre vier Gebetshallen sind dem Kanrodai zugewandt. Sie stehen den GlĂ€ubigen Tag und Nacht offen, auch werden dort tĂ€gliche Gottesdienste abgehalten.
Ebenfalls auf dem TempelgelĂ€nde befindet sich das Stifterin-Heiligtum, die Wohnung der ewig lebenden und wirkenden Seele von Miki Nakayama. Dort wird in ihrem Namen den GlĂ€ubigen vom Shimbashira das âSazukeâ erteilt. Im Heiligtum fĂŒr die Ahnen wird zweimal jĂ€hrlich, am 27. MĂ€rz und am 27. September, eine Feier zum Gedenken aller verstorbener TenrikyĆ-AnhĂ€nger abgehalten.
Gottesdienste
Musik, GesĂ€nge und Tanz zeichnen die TenrikyĆ-Gottesdienste aus. WĂ€hrend der tĂ€gliche Morgen- und Abendgottesdienst von jeweils vier Musikinstrumenten begleitet wird, gehören zum kagura zutome und zum teodori neun Instrumente (neben dem Gong verschiedene Streich- und Zupfinstrumente, Trommeln, Schlaghölzer, Zimbeln und eine Flöte). Diese beiden besonderen Gottesdienste sind dem 26. jeden Monats sowie den drei Hochfesten der TenrikyĆ (das Herbstfest am 26. Okt. zum Gedenken an die Offenbarung durch den Elterlichen Gott, das FrĂŒhlingsfest am 26. Jan. zum Andenken an das Dahinscheiden der Stifterin sowie das Geburtsfest der Stifterin am 18. Apr.) vorbehalten. Der kagura zutome wird von zehn Personen, fĂŒnf MĂ€nnern und fĂŒnf Frauen, nur am Jiba um den kanrodai herum vollzogen und stellt die schöpferische TĂ€tigkeit Gottes bei der Erschaffung des Menschen dar, wĂ€hrend in allen anderen SakralgebĂ€uden der teodori durch je vier MĂ€nner und Frauen das Frohe Leben symbolisiert.
Die heutige Gemeinschaft
In Tenri, am Ort ihrer Entstehung hat die Gemeinschaft der TenrikyĆ heute ihren Verwaltungssitz. Dieser dient als Anlaufstelle fĂŒr Pilgerreisen. Tenri City hat den Ruf einer Stadt des Glaubens. Das Stadtbild ist geprĂ€gt durch eine groĂe Anzahl von HeiligtĂŒmern und Einrichtungen, die TenrikyĆ zugehörig sind. Millionen von Besuchern und Pilgern aus aller Welt finden sich alljĂ€hrlich ein.cite-ref-5[5]
Die Gemeinschaft der TenrikyĆ betreibt mittlerweile verschiedene soziale und kulturelle Einrichtungen, zu denen ein Verlag, eine Bibliothek, ein Museum, eine UniversitĂ€t, ein Krankenhaus sowie ein Waisenhaus gehören. Die AnhĂ€nger sind inzwischen auch auĂerhalb Japans missionarisch aktiv; Missionen bestehen u. a. in den USA, SĂŒdamerika, Taiwan, Korea, China und Europa. Es gibt heute keine zuverlĂ€ssigen Angaben ĂŒber die Anzahl der AnhĂ€nger.
Pflegekinder
Seit sich der mediale Diskurs und daraufhin die Politik gegenĂŒber âKindesmiĂbrauchâ in Japan seit 1999 stark gewandelt hat, werden sehr viel mehr Kinder in staatliche Obhut genommen, was den Kommunen untersteht. Der Beitrag der TenrikyĆ ist dabei ziemlich bedeutsam. So waren im Jahre 2013 513 Kinder in die Pflege von TenrikyĆ-Familien gegeben (von landesweit etwa 4000 Betroffenen). Ihre Lebensanschauung lĂ€sst sie fĂŒr diese Aufgabe in einer Hinsicht besonders geeignet erscheinen: WĂ€hrend Pflegeeltern allgemein die Neigung haben, Kontakt mit den Geburtseltern zu meiden und das PflegeverhĂ€ltnis sogar zu verbergen, sind TenrikyĆ-Familien in der Regel bereit, den Geburtseltern eine Kommunikation mit ihren leiblichen Kindern zu ermöglichen. Sie nutzen auch entgegen verbreiteter Praxis meist den Geburtsnamen der Kinder.cite-ref-6[6]
Bekannte AnhÀnger
âą Avram Davidson â amerikanischer Science-Fiction-Autor. Er studierte den TenrikyĆ und konvertierte in den 1950'ern zum TenrikyĆ.
âą Masako Konishi â Japanischer OpernsĂ€nger
âą ShĆzen Nakayama â GrĂŒnder der Tenri-UniversitĂ€t
âą Hirano Nazaro â Ehemaliger Gangster, grĂŒndete den Koriyami der Daikyokai.
Literatur
âą Henry van Straelen: The Religion of Divine Wisdom. Japan's Most Powerful Religious Movement. In: Asian Folklore Studies, Jg. 13, 1954. S. 1â192. PDF (12,1 MB)
âą S. Noma (Hrsg.): TenrikyĆ. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 1553.
Einzelnachweise
cite-note-1-22. â Barbara Rossetti Ambros und Timothy Smith: Handbook of East Asian new religious movements. In: Lukas Pokorny, Franz Winter (Hrsg.): Brill handbooks on contemporary religion. Band, Nr. 16. Brill Academic Pub, Leiden 2018, S. 33â51.
cite-note-44. â The Life of Oyasama, Foundress of Tenrikyo (1967), Tenrikyo Church Headquarters
Weblinks
Commons
: TenrikyĆ
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Offizielle Website
âą Yumiyama Tatsuya: âTenrikyĆâ. In: Encyclopedia of Shinto. Kokugaku-in, 25. Mai 2006 (englisch)